Die Morgenandacht Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal
Stand: 19. März 2025.
Die Morgenandacht Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal
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Der Herr ist mein Hirte. Der 23. Psalm ist vielen Menschen sehr vertraut. Pastorin Frauke Löffler denkt in dieser Woche über einzelne Verse daraus nach. Heute: Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal.
Der Herr ist mein Hirte. "Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir." Meine Oma konnte Wundergeschichten erzählen. Das hat mich als Kind immer sehr fasziniert. Sie hat zum Beispiel davon erzählt, dass jemand immer wieder Pfennige auf der Straße fand, sie aufhob und irgendwann sehr reich war. Oder von jemandem, der schwer krank war und den der Arzt schon aufgegeben hatte. Jemand anderes hing ihm den Text vom 23. Psalm übers Bett und so wurde er wieder gesund. Auf wundersame Weise und wie von Zauberhand.
Die Geschichte mit dem 23. Psalm war mir darum auch ein bisschen unheimlich. Ich gruselte mich auch, weil sie ja auch davon erzählte, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt als wir fassen oder begreifen können. Etwas, was sich unsere Tun und Wirken entzieht. Und gleichzeitig wurde die Faszination für diese alten Worte nur noch größer. Und mit dem Bild von einem Hirten, der sich um seine Schafe kümmert, konnte ich viel anfangen. Das kann man sich gut vorstellen, dass es für ein Schaf hilfreich ist, wenn sich jemand kümmert und ihm den Weg zeigt. Oder es auf eine Wiese führt, wo es essen und trinken kann. Was ich aber nie verstanden habe, war, warum der Hirte die Schafe durch ein finsteres Tal führt. Da haben sie doch Angst. Kann er sie nicht auf einem anderen Weg führen? Das ist irgendwie nicht fair. Sie selbst würden da ja vermutlich nicht durch gehen.
Erst sehr viel später begriff ich, dass einem manchmal nichts anderes übrig bleibt, als den Weg durch finstere Täler zu gehen. Vielleicht, weil man manchmal einfach ungewollt hinein gerät. Oder weil der Umweg sonst zu weit ist. Oder auch, weil das der einzige Weg ist, der dorthin führt, wo die Wiesen noch grüner sind und die Sonne noch mehr scheint. Dann muss man durch das finstere Tal. Und dann ist es gut, dass da mehr zwischen Himmel und Erde ist, als ich fassen oder begreifen kann. Nämlich dass da jemand ist, der mich nicht alleine lässt. Der mit mir da durch geht, so finster und dunkel das Tal auch sein mag. Und dann habe ich auch verstanden, was das eigentliche Wunder in der Geschichte meiner Oma mit dem 23. Psalm ist. Nicht, dass jemand gesund geworden ist. Sondern dass Gott bei uns ist, nicht nur auf den grünen Auen, sondern eben auch und ganz besonders in den dunklen Tälern.
"Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir."